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Themenwelten HUMAN
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Schutz vor Nadelstichverletzungen

Im Durchschnitt zieht sich jeder Mitarbeiter im Gesundheitswesen alle 2 Jahre eine Nadelstichverletzung zu. In dieser Themenwelt finden Sie Informationen über Nadelstichverletzungen, die damit verbundenen gesundheitlichen Gefahren und verschiedene Präventionsmaßnahmen.

Nadelstichverletzungen


Eine unterschätzte Gefahr im Gesundheitswesen

Unter einer Nadelstichverletzung versteht man eine Stich-, Schnitt- oder Kratzverletzung der Haut durch stechende oder schneidende Instrumente, die mit Patientenmaterial verunreinigt sind. Solche Verletzungen bergen durch den Kontakt mit fremdem Blut ein hohes Risiko für Infektionsübertragungen – insbesondere für die Übertragung von HIV, Hepatitis B oder Hepatitis C.

Knapp 50 % aller im Gesundheitsdienst gemeldeten Versicherungsfälle sind auf Nadelstichverletzungen zurückzuführen. Schätzungen zufolge ereignen sich allein in Deutschland jedes Jahr ca. 500.000 Nadelstichverletzungen – doch die Dunkelziffer liegt bei 50–90 %. Genaue Zahlen lassen sich dadurch nur sehr schwer ermitteln.

Die Gründe dafür, dass Nadelstichverletzungen nicht gemeldet werden, reichen von Zeitmangel bis hin zu Bagatellisierung aus Angst vor beruflichen Konsequenzen.

Um die Dunkelziffer zu verringern, ist es mittlerweile verpflichtend, ein innerbetriebliches Meldesystem zu etablieren. Die meisten Stich- und Schnittverletzungen ereignen sich bei Pflegekräften – zwischen 50 und 75 % der Unfälle werden dieser Berufsgruppe zugeordnet. An zweiter Stelle kommen Ärztinnen und Ärzte, danach unter anderem das Reinigungspersonal.

Nadelstichverletzungen und die Wahrscheinlichkeit einer Infektionsübertragung 

Das Risiko sich durch eine Nadelstichverletzung mit einer Krankheit (z. B. HIV, HCV oder HBV) zu infizieren, hängt zum einen von der Prävalenz und zum anderen von der Virulenz ab. Da die Prävalenz der in Frage kommenden Erreger in Einrichtungen des Gesundheitswesens höher als in der Allgemeinbevölkerung ist, ist auch das Infektionsrisiko deutlich erhöht. Das Infektionsrisiko hängt zwar bis zu einem gewissen Grad auch von der Art der Verletzung ab - allerdings können auch kleinste Verletzungen zu einer Infektion mit schwerwiegenden Erkrankungen, wie HIV, HBV oder HCV, führen. 

Ein Risiko geht aber nicht nur von lebenden Patienten aus. Auch Leichen tragen für eine bestimmte Zeit noch Krankheitserreger in sich, die durch Nadelstichverletzungen übertragen werden können. Besonders widerstandsfähig sind Tuberkelbakterien, die auch nach Jahren noch im toten Körper zu finden sind.  

Falls es zu einer Nadelstichverletzung kommt, sollte als Sofortmaßnahme die Blutung für mindestens eine Minute verstärkt werden. Dadurch sollen mögliche Krankheitserreger aus der Wunde ausgeschwemmt werden. Danach muss die Verletzung mit einem geeigneten Desinfektionsmittel ausgiebig desinfiziert werden. Hier finden Sie das weitere Vorgehen im Falle einer Nadelstichverletzung noch einmal genau zusammengefasst.

Die häufigsten Ursachen für Nadelstichverletzungen: 

Bestimmte Tätigkeiten bergen ein hohes Risiko für Nadelstichverletzungen und für den einzelnen Beschäftigten (Arzt, Pflege- oder Reinigungskaft) ist es entscheidend, wie häufig er solche Tätigkeiten ausführt. Die Unfallhäufigkeit hängt jedoch nicht nur von der Arbeit, sondern auch von den Arbeitsumständen ab. 

Die häufigsten Ursachen im Überblick: 

  • Stressbedingt (Nachtdienst, Versorgung von Notfällen, Arbeiten in engen Räumen) 
  • Falsches Handling (Recapping, Entfernen und Entsorgen der Kanüle mit der Hand) 
  • Entsorgungsfehler (Überfüllter oder unzulässiger Entsorgungsbehälter) 
  • Fremdverschulden (Unruhiger Patient, Unaufmerksamkeit bei der Instrumentenübergabe) 
  • Unwissenheit/Mangelnde Übung (Berufsanfänger oder -wiedereinsteiger)

Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Nadelstichverletzungen: 

Die Schutzmaßnahmen zur Prävention von Nadelstichverletzungen gliedern sich in technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen. Sie werden anhand einer Gefährdungsbeurteilung aufgestellt. Je höher die Gefährdung, desto mehr Schutzmaßnahmen müssen getroffen werden. 

Folgende Präventionsmaßnahmen können getroffen werden: 

  • Verwendung sicherer Instrumente (Sicherheitsgeräte) 
  • Durchführung von Schulungen zum Umgang mit Sicherheitsgeräten 
  • Festlegung sicherer Arbeitsabläufe 
  • Bereitstellung von Kanülenabwurfbehältern 
  • Tragen von Schutzkleidung Durchführung von Impfungen (Hepatitis B)

Welche Sicherheitsmechanismen gibt es

Vom Rückzugsmechanismus bis zur stumpfen Kanüle – Sicherheit durch Technik
  • Kanüle wird nach Verwendung stumpf
  • Kanüle/Lanzette wird in Gehäuse oder Schutzhülle zurückgezogen 
  • Skalpelle werden zurückgezogen und arretiert
  • Systeme ohne Nadel 
  • Kanüle verfügt über integrierten, arretierbaren Schutzmechanismus 
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Eigenschaften & Einsatzbereiche von Sicherheitsgeräten 

Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen zur Vermeidung von Nadelstichverletzungen ist die Verwendung sogenannter Sicherheitsgeräte, wie z. B. Sicherheitskanülen. Diese Instrumente bergen nur ein geringes bzw. kein Risiko für Stich- und Schnittverletzungen, somit können sie dabei helfen, einer Infektion durch Nadelstichverletzung vorzubeugen. 

Sicherheitsgeräte müssen bestimmte Eigenschaften aufweisen, um der TRBA 250 zu entsprechen: 

  • Der Sicherheitsmechanismus ist Bestandteil des Systems und kompatibel mit anderem Zubehör 
  • Die Aktivierung muss mit einer Hand erfolgen 
  • Der Sicherheitsmechanismus schließt einen erneuten Gebrauch aus 
  • Das Sicherheitsprodukt erfordert keine Änderung der Anwendungstechnik 
  • Der Sicherheitsmechanismus ist durch ein Signal (fühlbar/hörbar) gekennzeichnet  

Sichere Instrumente müssen in folgenden Situationen verpflichtend verwendet werden:

Bei der Arbeit mit spitzen/scharfen medizinischen Instrumenten In Arbeitsbereichen mit erhöhter Infektions-/Unfallgefahr (z. B. Rettungsdienst) Wenn durch mögliche Stichverletzungen eine Infektionsgefahr besteht (Blut-Entnahmen, Punktionen, etc)

Anforderungen an Abfallbehältnisse 

Spitze, scharfe und zerbrechliche medizinische Instrumente (z. B. Kanülen und Skalpelle) müssen direkt nach ihrem Gebrauch in dafür vorgesehenen Abfallbehältnissen entsorgt werden. Dies gilt auch für Sicherheitsgeräte gemäß TRBA 250. Hierfür muss sich der Sicherheitsbehälter so nah wie möglich am Verwendungsort befinden. Außerdem muss der Behälter geleert werden, wenn die Markierungsmarke für die Maximalbefüllung erreicht ist. 

Abfallbehältnisse müssen folgende Eigenschaften aufweisen, um der TRBA 250 zu entsprechen:

  • Sie sind fest verschließbar 
  • Es handelt sich um Einwegbehältnisse 
  • Sie sind durchdringfest 
  • Sie geben den Inhalt auch bei Druck, Stößen und Herunterfallen nicht frei 
  • Sie werden durch Feuchtigkeit nicht beeinträchtigt 
  • Behältergröße und Einfüllöffnung sind abgestimmt auf die zu entsorgenden Produkte 
  • Sie öffnen sich nicht, wenn Kanülen abgestreift werden 
  • Sie sind eindeutig als Abfallbehälter zu erkennen (Farbe, Form, Beschriftung) 
  • Sie sind abgestimmt auf Entsorgungskonzeption und die verwendeten Spritzensysteme 
  • Maximale Füllmenge und Füllungsgrad sind klar erkennbar